Kredit im Vergleich
Ein Kredit hat einen beworbenen Zinssatz und einen tatsächlichen Preis. Die beiden sind selten identisch, und der Unterschied ist der Grund, warum Kreditvergleiche so oft enttäuschen: Sie vergleichen den einen Wert und zahlen am Ende den anderen.
Diese Seite erklärt, wie ein Kreditpreis zustande kommt, was Banken tatsächlich über Sie prüfen und an welchen Stellen Sie Geld verlieren, ohne es zu merken. Die aktuellen Zinssätze stehen im Rechner auf dieser Seite, nicht im Text.
Kredit vergleichen
Der Vergleichsrechner wird hier eingebunden.
Der Rechner zeigt die aktuellen Konditionen und die monatliche Rate für Ihren Betrag und Ihre Laufzeit. Wir schreiben keine Beispielraten in den Text – sie hängen von beiden Werten ab und wären in einer Zeile falsch.
Unabhängig. Wir vergleichen nach Bedingungen, nicht nach Provision. Wie wir Geld verdienen, steht in Über uns.
Kurz gefasst
- Preisangabe
- Effektiver Jahreszins, gesetzlich vorgeschrieben
- Entscheidend für den Zins
- Bonität und Laufzeit
- Widerrufsrecht
- 14 Tage nach Vertragsabschluss
- Vorzeitige Ablösung
- Höchstens 1 % des vorzeitig zurückgezahlten Betrags
- Längste übliche Laufzeit
- Bis 120 Monate bei Ratenkrediten
Sollzins und Effektivzins: der Unterschied, der Geld kostet
Ein Kredit hat zwei Zinssätze, und sie bedeuten Verschiedenes:
- Sollzins
- Der nominale Zinssatz auf die Restschuld. Er sagt, wie stark die Schuld wächst – nicht, was der Kredit kostet.
- Effektiver Jahreszins
- Der Sollzins plus die weiteren preisbestimmenden Kosten, umgerechnet auf ein Jahr. Er ist die Zahl, mit der Sie vergleichen können.
Die Preisangabenverordnung verpflichtet Anbieter, den effektiven Jahreszins anzugeben. Grundlage ist die Wohnsitzangabe und ein repräsentatives Beispiel – die Bank muss also einen Zins nennen, den sie mindestens zwei Drittel ihrer Kunden tatsächlich anbietet. Das ist keine Zusage an Sie.
Der praktische Kern: Der effektive Jahreszins ist die einzige Zahl, mit der zwei Angebote sinnvoll vergleichbar sind. Ein niedrigerer Sollzins bei höheren Nebenkosten ergibt unter dem Strich einen teureren Kredit. Vergleichen Sie Sollzins gegen Sollzins, vergleichen Sie das Falsche.
Achtung bei der Umschuldung: Wird ein bestehender Kredit abgelöst, darf die Vorfälligkeitsentschädigung des alten Darlehens in den effektiven Jahreszins des neuen eingerechnet werden – und dann sieht das Angebot schlechter aus, als es ist, oder besser, als es ist, je nachdem, wie gerechnet wurde. Lassen Sie sich beide Werte getrennt zeigen.
Die Restschuldversicherung: eine Wirksamkeitsregel, die kaum jemand kennt
Eine Restschuldversicherung ist an einen Kredit gekoppelt: Sie soll die Raten übernehmen, wenn der Kreditnehmer sie nicht mehr zahlen kann. Was der jeweilige Vertrag tatsächlich abdeckt, steht im Bedingungswerk. Verkauft wird sie meist dort, wo der Kredit unterschrieben wird – und genau das ist seit dem 1. Januar 2025 ein Problem für den Vertrag.
Nach § 7a Absatz 5 des Versicherungsvertragsgesetzes darf eine Restschuldversicherung, die mit einem Verbraucherdarlehen verbunden ist, nur abgeschlossen werden, wenn die Erklärung frühestens eine Woche nach dem Abschluss des Darlehensvertrags abgegeben wird. Wird diese Frist nicht eingehalten, ist der Restschuldversicherungsvertrag nichtig.
Was das praktisch bedeutet: Eine Police, die am Unterschriftentisch zusammen mit dem Kredit verkauft wird, ist unwirksam. Die übliche Darstellung – die Restschuldversicherung sei "oft nicht lohnend" – greift damit zu kurz: Es geht nicht um eine Frage des Preises oder des Nutzens, sondern um die Wirksamkeit des Vertrags. Die Nichtigkeit knüpft das Gesetz ausdrücklich an den Restschuldversicherungsvertrag.
Prüfen Sie deshalb bei einer bestehenden Vereinbarung, wann die Erklärung abgegeben wurde. Liegt sie vor Ablauf der Woche, ist der Versicherungsvertrag nichtig – und ein Blick in die Unterlagen ist der einzige Weg, das festzustellen.
Bonität: was Banken wirklich prüfen
Der beworbene Zins gilt für den besten Fall. Ihren Zins bestimmt die Bank nach einer Prüfung, die drei Dinge zusammenführt:
- Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse. Einkommen, Beschäftigungsart, Beschäftigungsdauer, Wohnsituation, Familienstand. Ein unbefristetes Arbeitsverhältnis in der Probezeit wird anders bewertet als dasselbe Arbeitsverhältnis nach zwei Jahren.
- Ihre bisherige Zahlungshistorie. Sie steht bei der Schufa und wird von dort abgefragt.
- Die Kennzahlen der Bank selbst. Wie viel Risiko sie aktuell eingehen will, welche Zielgruppe sie bearbeitet, wie ihre Refinanzierung aussieht. Zwei Banken können dieselben Daten unterschiedlich bewerten – und das tun sie auch.
Daraus folgt, dass es den Kreditzins nicht gibt. Dieselbe Person bekommt bei zwei Banken unterschiedliche Angebote, und dieselbe Bank bewertet dieselbe Person zu zwei Zeitpunkten unterschiedlich.
Warum eine Ablehnung nicht endgültig ist
Eine Absage heißt nicht, dass Sie keinen Kredit bekommen – sie heißt, dass diese Bank zu diesen Bedingungen nicht will. Mehrere Anfragen bei verschiedenen Banken sind üblich. Beachten Sie dabei: Eine Kreditanfrage, die zu einer Konditionsabfrage führt, wird in der Schufa vermerkt. Eine reine Anfrage zur Konditionsauskunft, ohne Vertragsabschluss, wird anders behandelt als eine Abschlussanfrage. Viele Vergleichsrechner arbeiten mit einer Konditionsabfrage, die keine negativen Merkmale erzeugt – fragen Sie im Zweifel nach, welche Art von Abfrage ausgelöst wird.
Schufa: was drinsteht und wie Sie es lesen
Die Schufa ist eine Auskunftei, kein Amt. Sie speichert Daten, die ihre Vertragspartner – also Banken, Händler, Inkassodienste – melden. Sie vergibt keinen Kredit und lehnt keinen ab: Sie liefert eine Auskunft, die Entscheidung trifft die Bank.
Sie haben das Recht, Ihre gespeicherten Daten kostenlos einzusehen. Das ergibt sich aus der Datenschutz-Grundverordnung und ist einmal im Jahr ohne Begründung möglich. Lassen Sie sich nicht auf kostenpflichtige Angebote verweisen – die kostenlose Datenkopie ist der gesetzliche Anspruch.
Was in der Auskunft steht
- Angaben zu Krediten, Kreditkarten und Girokonten, in der Regel mit Höhe und Laufzeit
- Zahlungsausfälle, sofern sie gemeldet und nicht erledigt wurden
- Bestandene oder gescheiterte Vertragsverhältnisse
- Anfragen zur Kreditkondition, die in den letzten Monaten gestellt wurden
Ein häufiges Missverständnis: Nicht jede Anfrage senkt Ihre Bonität. Anfragen zur Konditionsauskunft werden in der Regel nur für einige Monate mitgezählt. Entscheidend ist, ob daraus ein Vertrag geworden ist oder nicht – und ob Zahlungen ausgefallen sind. Ein einzelner negativer Eintrag wiegt schwerer als ein Dutzend Anfragen.
Ist ein Eintrag falsch, haben Sie einen Berichtigungsanspruch. Er lässt sich nicht immer schnell durchsetzen, aber er ist durchsetzbar – und für die Bank zählt am Ende der korrigierte Stand.
Wo die Schufa endet: der Score als Entscheidung
Ein Missverständnis ist besonders zäh: Die Auskunftei liefere nur Daten, entschieden werde immer bei der Bank. Der Europäische Gerichtshof hat diese Trennung für einen Fall wie diesen eingeschränkt. Nach dem Urteil C-634/21 vom 7. Dezember 2023 ist die Erstellung eines Credit Scores durch eine Auskunftei selbst eine automatisierte Entscheidung im Sinne des Artikels 22 der Datenschutz-Grundverordnung – dann nämlich, wenn die Entscheidung eines Dritten über ein Vertragsverhältnis entscheidend auf den Score gestützt wird.
Für Sie ändert das nicht den Alltag, aber die Einordnung: Der Score ist nicht nur ein Datenpunkt, den die Bank nach eigenem Ermessen auswertet. Er kann rechtlich die Entscheidung selbst sein.
Der Weg durch eine Kreditanfrage
Zwischen der ersten Anfrage und der Ablehnung liegen drei Stufen, und sie hinterlassen unterschiedlich viel:
- Konditionenanfrage. Sie fragen eine Kondition ab, ohne einen Vertrag abzuschließen. Eine Konditionenanfrage belastet Ihren Score nicht so wie eine vollständige Antragsanfrage. Fragen Sie vorher nach, welche Art von Abfrage ausgelöst wird.
- Antrag. Aus der Anfrage wird ein Vertragsantrag. Erst hier entsteht ein Vertragsverhältnis und damit eine vollständige Prüfung.
- Ablehnung. Wird der Antrag abgelehnt, muss die Bank Sie darüber informieren. Verlangen Sie diese Mitteilung – sie ist der Ausgangspunkt für alles Weitere, insbesondere für die Frage, ob ein Eintrag unrichtig ist.
Die Reihenfolge ist deshalb keine Formalie: Sie zeigt, an welcher Stelle welche Information entsteht und welche davon Sie beeinflussen können. Beeinflussbar ist vor allem die erste Stufe – eine Kondition, aus der ein Vergleich ohne Abschluss wird, ist etwas anderes als ein vollständiger Antrag.
Laufzeit: warum die kürzeste nicht die günstigste ist
- Lange LaufzeitSenkt die Monatsrate und erhöht die gesamten Zinskosten. Sie zahlen länger Zinsen auf einen Betrag, den Sie früher hätten tilgen können.
- Kurze LaufzeitSenkt die gesamten Zinskosten und erhöht die Monatsrate. Wird die Rate zu hoch, wird aus dem Zinsvorteil ein Verzugsrisiko.
Welche Laufzeit tragbar ist, hängt an Ihren übrigen Ausgaben und nicht an einer Faustregel. Der Rechner zeigt die Rate je Laufzeit; die Entscheidung fällt an der Rate, nicht am Zinssatz.
Bei einer festen Kreditsumme gilt: Je länger die Laufzeit, desto niedriger die Monatsrate und desto höher die gesamten Zinskosten. Je kürzer die Laufzeit, desto höher die Rate und desto niedriger die Gesamtkosten.
Das ist ein zweischneidiges Werkzeug. Eine zu lange Laufzeit ist teuer, weil Sie über viele Jahre Zinsen auf einen Betrag zahlen, den Sie längst hätten tilgen können. Eine zu kurze Laufzeit ist gefährlich, weil die Rate nicht mehr zu Ihrem Lebensstandard passt – und ein Kredit, den Sie nicht bedienen können, kostet am Ende mehr als jeder Zinssatz.
Die Belastungsgrenze
Banken prüfen, ob Ihre monatliche Gesamtbelastung durch bestehende und neue Kredite Ihre verfügbaren Mittel übersteigt. Rechnen Sie denselben Test selbst: Bleibt nach der neuen Rate und allen festen Ausgaben noch genug übrig, dass ein unerwarteter Autoservice oder eine kaputte Waschmaschine Sie nicht in Verzug bringt? Verzug ist deutlich teurer als Zinsen.
Eine Faustregel, die oft genannt wird, ist eine Kreditrate bis zu einem bestimmten Anteil des Nettoeinkommens. Sie ist als Orientierung brauchbar und als Entscheidungsgrundlage zu grob – sie kennt weder Ihre Miete noch Ihre Fixkosten.
Sondertilgung und vorzeitige Ablösung
Bei den meisten Ratenkrediten steckt die Tilgung in der monatlichen Rate. Wenn Sie mehr zurückzahlen wollen, geht das nur, wenn es vertraglich vereinbart ist – ein gesetzliches Recht auf kostenlose Sondertilgung gibt es beim Ratenkredit nicht. Prüfen Sie das Bedingungswerk vor der Unterschrift: Erlaubte Sondertilgungen sind eines der nützlichsten Merkmale eines Kredits und kosten den Anbieter Geld, also wird nicht damit geworben.
Wollen Sie den Kredit ganz vorzeitig beenden, kann die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Deren Höhe ist gesetzlich gedeckelt: Sie beträgt bei Verbraucherdarlehen höchstens 1 Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrags – und höchstens 0,5 Prozent, wenn zwischen der Rückzahlung und der vereinbarten Beendigung des Vertrags weniger als zwölf Monate liegen.
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird: Schließen Sie den Kredit online oder außerhalb der Geschäftsräume ab, haben Sie ein Widerrufsrecht von 14 Tagen. Wenn Sie den Vertrag in diesem Zeitraum widerrufen, können dafür keine Kosten berechnet werden, die über die gesetzlichen hinausgehen.
Dabei wird ein Punkt fast immer übersehen: Kostenlos ist der Widerruf nicht. Haben Sie das Geld bereits erhalten, schulden Sie für den Zeitraum, in dem Sie es tatsächlich hatten, eine Nutzungsentschädigung. Der Widerruf beendet den Vertrag, aber nicht die Abrechnung. Wer annimmt, er könne den Kredit mit dem Widerruf für ein paar Tage unentgeltlich nutzen, liegt falsch.
Widerruf oder vorzeitige Rückzahlung: zwei verschiedene Wege
Beide beenden den Kredit, und beide werden deshalb häufig verwechselt. Sie haben aber verschiedene Grundlagen und verschiedene Kosten:
| Widerruf | Vorzeitige Rückzahlung | |
|---|---|---|
| Grundlage | Widerrufsrecht, 14 Tage nach Vertragsabschluss | § 500 Abs. 2 BGB – ein Recht, das jederzeit besteht |
| Was Sie zahlen | Nutzungsentschädigung für den Zeitraum, in dem Sie das Geld hatten | Vorfälligkeitsentschädigung, gesetzlich gedeckelt |
| Grenze der Kosten | Nach tatsächlicher Nutzung | Höchstens 1 % des vorzeitig zurückgezahlten Betrags, bei weniger als zwölf Monaten Restlaufzeit höchstens 0,5 % – und höchstens die Zinsen, die Sie durch die Rückzahlung sparen |
Der Zusatz in der letzten Zeile ist der Punkt, den man leicht überliest. Die Entschädigung ist nicht nur prozentual begrenzt, sondern zusätzlich auf den Betrag, den die Bank durch die vorzeitige Zahlung spart. Ist einer der beiden Werte niedriger, gilt der niedrigere.
Die Einordnung: Die vorzeitige Rückzahlung ist ein gesetzliches Recht des Darlehensnehmers – die Bank kann sie nicht verweigern, sie kann nur die gedeckelte Entschädigung verlangen. Der Widerruf ist ebenfalls ein Recht, aber nicht der billigere Weg: Er kostet die Nutzungsentschädigung für den Zeitraum, in dem Sie das Geld tatsächlich hatten.
Reihenfolge, die Geld spart: Vor einer vorzeitigen Ablösung rechnen Sie die Entschädigung gegen die Zinsen, die Sie durch die vorzeitige Rückzahlung sparen. Wenn Sie den Kredit stattdessen in Sondertilgungen stecken und weiterlaufen lassen, fällt keine Entschädigung an – und das ist häufig der günstigere Weg, sofern die Sondertilgung vereinbart ist.
Zweckgebunden oder frei verwendbar
Ob ein Kredit an einen Zweck gebunden ist, beeinflusst Zins und Risiko – für die Bank und damit für Sie.
| Zweckgebunden | Frei verwendbar | |
|---|---|---|
| Beispiel | Autokauf, Möbel, Umschuldung | Freie Verwendung, in der Regel ohne Nachweis |
| Zins | Meist niedriger | Meist höher |
| Nachweis | Verwendungsnachweis üblich | Kein Nachweis nötig |
| Auszahlung | Oft direkt an den Verkäufer | Auf Ihr Konto |
Der Zinsunterschied entsteht nicht aus Kulanz. Bei einem zweckgebundenen Kredit behält die Bank im Streitfall Sicherheiten – beim Autokredit etwa den Fahrzeugbrief. Bei einem frei verwendbaren Kredit gibt es diese Sicherheit nicht, und das Risiko zahlt der Kunde über den Zins.
Praktisch relevant: Wenn Sie ohnehin mehrere Dinge bezahlen müssen, ist ein frei verwendbarer Kredit mit einem etwas höheren Zins oft besser als zwei zweckgebundene. Ein zweiter Kredit bedeutet einen zweiten Vertrag, eine zweite Rate und einen zweiten Vermerk in der Auskunft.
Umschulden: wann es sich rechnet und wann nicht
Umschulden heißt, einen laufenden Kredit mit einem neuen, günstigeren abzulösen. Das kann sinnvoll sein – aber nur, wenn die Rechnung unter dem Strich positiv bleibt, und das ist sie seltener, als die Werbung suggeriert.
Was auf die Habenseite gehört
- Die Zinsersparnis über die verbleibende Laufzeit des alten Kredits – nicht über die neue Laufzeit
- Eine niedrigere Monatsrate, wenn sie finanzielle Luft schafft
Was auf die Sollseite gehört
- Die Vorfälligkeitsentschädigung der alten Bank, sofern sie anfällt
- Mögliche Bearbeitungsgebühren des neuen Kredits – bei Verbraucherdarlehen sind reine Bearbeitungsgebühren für die Kreditvergabe allerdings unzulässig und dürfen nicht als separate Position berechnet werden
- Eine Laufzeitverlängerung: Der häufigste Fehler. Eine Umschuldung, die die Restlaufzeit verlängert, senkt die Rate und erhöht die Gesamtkosten. Beides muss in die Rechnung.
- Eine neue Konditionsabfrage in der Auskunft
Der Test: Fragen Sie beim neuen Anbieter den effektiven Jahreszins ohne die eingerechnete Ablösung des alten Kredits und rechnen Sie die Entschädigung selbst drauf. Erst dann vergleichen Sie mit dem alten Zins. Angebote, die die Entschädigung in den Effektivzins einrechnen, sind korrekt, aber für diesen Vergleich unbrauchbar.
Kredite ohne Schufa: was dahintersteckt
Angebote, die einen Kredit ohne Schufa-Abfrage versprechen, existieren. Sie sind nicht automatisch unseriös, aber ihr Geschäftsmodell ist ein anderes, und das erklärt den Preis.
Wenn ein Anbieter auf die Auskunft verzichtet, hat er kein Bild Ihrer Zahlungshistorie. Dieses Risiko kann er nicht bewerten, also bepreist er es: mit einem deutlich höheren Zins, mit kürzeren Laufzeiten, mit kleineren Höchstbeträgen, oder mit einer Kombination daraus.
Woran Sie problematische Angebote erkennen
- Vorkosten. Wenn vor der Auszahlung Geld fließt – für eine Bearbeitung, eine Prüfung, eine Platzzusage –, ist das ein Ausschlusskriterium. Zulässige Bearbeitungsgebühren für die Kreditvergabe dürfen bei Verbraucherdarlehen nicht als separates Entgelt berechnet werden.
- Kein Sitz in Deutschland oder der EU. Dann ist nicht nur die Rechtsdurchsetzung schwieriger, sondern auch die Aufsicht eine andere.
- Ein Anbieter, der sich nicht benennen lässt. Ladenbetreiber müssen ein Impressum haben; fehlt es, ist das Angebot beendet, bevor es beginnt.
- Ein Effektivzins, der im Verhältnis zum Markt absurd niedrig ist, während auf die Schufa verzichtet wird. Beides zusammen gibt es nicht.
Wenn Sie wegen eines negativen Eintrags keinen regulären Kredit bekommen: Prüfen Sie zuerst, ob der Eintrag korrekt ist – Fehler kommen vor und lassen sich berichtigen. Danach ist die zweite Frage nicht "welcher Anbieter verzichtet auf die Auskunft", sondern "warum brauche ich diesen Kredit". Ein Kredit, der ein bestehendes Problem löst, ist etwas anderes als einer, der es verlängert.
Was sich am 20. November 2026 ändert
Am 20. November 2026 tritt das Gesetz in Kraft, mit dem Deutschland die Verbraucherkreditrichtlinie (EU) 2023/2225 umsetzt. Verkündet wurde es im Bundesgesetzblatt 2026 I Nr. 139; einzelne Vorschriften gelten bereits seit dem 19. Mai 2026, der überwiegende Teil aber erst zu diesem Datum. Die Richtlinie hätte zum 20. November 2025 umgesetzt sein müssen – die Regeln kommen damit ein Jahr später, als sie hätten gelten sollen.
Ein auffälliges Missverhältnis macht den Vertrag nichtig
Kernstück ist ein neuer § 492 Abs. 9 BGB. Danach ist ein Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrag nichtig, wenn zwischen dem vertraglichen effektiven Jahreszinssatz und dem zum Zeitpunkt der Zinsvereinbarung für vergleichbare Darlehen marktüblichen effektiven Jahreszinssatz ein auffälliges Missverhältnis besteht. Ein auffälliges Missverhältnis liegt in der Regel vor, wenn der vertragliche effektive Jahreszinssatz den marktüblichen um 100 Prozent oder um zwölf Prozentpunkte überschreitet. Bisher ergab sich diese Grenze aus der Rechtsprechung, künftig steht sie im Gesetz. Und die Nichtigkeit erfasst mehr als den Kredit: Die zur Besicherung eines solchen Vertrags abgeschlossenen Sicherungsgeschäfte sind ebenfalls nichtig.
Unerbetene Kredite: kein Anspruch gegen den Verbraucher
Nach dem neuen § 492 Abs. 8 BGB darf ein Unternehmen einem Verbraucher keine Mittel für den Abschluss eines Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrags bereitstellen, ohne dass der Verbraucher das vorher verlangt und ausdrücklich zugestimmt hat. Geschieht es dennoch, entsteht kein Anspruch gegen den Verbraucher. Das trifft den von der Bank eingeräumten Dispokredit ebenso wie die zugesandte Kreditkarte. Das Gesetz nennt die Ausnahmen selbst: Ansprüche bleiben bestehen, wenn die Zahlung nicht für den Empfänger bestimmt war oder wenn sie in der irrigen Annahme einer vorherigen Anforderung und ausdrücklichen Zustimmung erfolgte und der Empfänger das erkennen musste.
Kopplungsgeschäfte: der Kredit darf nicht an Zusatzprodukte gebunden werden
Nach § 492a BGB darf der Darlehensgeber den Abschluss eines Verbraucherdarlehensvertrags nicht davon abhängig machen, dass der Darlehensnehmer oder ein Dritter andere Finanzprodukte oder Finanzdienstleistungen erwirbt. Das ist das allgemeine Gegenstück zu der Regel, die weiter oben für die Restschuldversicherung steht: Dort ist die Erklärung an eine Frist gebunden, hier wird die Kopplung des Kredits an ein Zusatzprodukt untersagt.
Form und Widerruf: Textform, und ein Ende für das Widerrufsrecht
Der Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrag braucht künftig die Textform; für den Immobiliar-Verbraucherdarlehensvertrag bleibt es bei der Schriftform. Auch das Widerrufsrecht ändert sich: Nach § 355 Abs. 3 BGB erlischt es bei einem Allgemein-Verbraucherdarlehensvertrag spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach dem Vertragsschluss, wenn der Darlehensnehmer über sein Widerrufsrecht informiert wurde. Der Widerruf, den der Abschnitt zu Sondertilgung und vorzeitiger Ablösung beschreibt, bekommt damit ein Ende, das mit dem Vertragsschluss beginnt.
Automatisierte Bonitätsprüfung: der Anspruch auf einen Menschen
Wird die Bonitätsprüfung bei einem Allgemein-Verbraucherdarlehen automatisiert vorgenommen, kann der Darlehensnehmer das Eingreifen einer Person verlangen. Das umfasst eine klare und verständliche Erläuterung der Prüfung einschließlich der Logik und der Risiken der automatisierten Verarbeitung und ihrer Bedeutung für die Entscheidung, die Möglichkeit, die eigene Position vorzutragen, und eine Überprüfung der Bonitätsbewertung und der Kreditentscheidung durch den Darlehensgeber. Über diese Rechte muss der Darlehensgeber nach der automatisierten Verarbeitung informieren. Dazu kommt die Pflicht, die Bonität erneut zu prüfen, wenn sich der Nettodarlehensbetrag nach Vertragsschluss erheblich erhöht. Der Abschnitt zu Schufa und Score beschreibt, dass ein Score rechtlich die Entscheidung selbst sein kann – hier steht das Gegenmittel: der Weg zu einer Person, die den Fall noch einmal ansieht.
Zahlungsschwierigkeiten: Nachsicht und Schuldnerberatung
Für Kreditnehmer in finanziellen Schwierigkeiten sieht das Gesetz zwei Pflichten des Darlehensgebers vor. Er muss auf Schuldnerberatungsdienste verweisen, die für den Betroffenen leicht zugänglich sind. Und er muss vor der Einleitung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen Nachsicht üben und dabei die individuellen Umstände berücksichtigen; zu den Maßnahmen, die das Gesetz ausdrücklich nennt, gehört die vollständige oder teilweise Umschuldung. Wiederholte Nachsichtsmaßnahmen muss er nur in begründeten Fällen anbieten.
Beratung: die Vergütung darf nicht am Abschluss hängen
§ 511 BGB wird zu einer Beratungspflicht umgestaltet, und parallel wird die Institutsvergütungsverordnung geändert. Danach darf die Vergütung nicht an Absatzziele für Verbraucherdarlehensverträge geknüpft werden, und die Vergütung der Beschäftigten, die für die Bonitätsprüfung verantwortlich sind, darf nicht von der Anzahl oder dem Anteil der genehmigten Anträge abhängen. Praktisch heißt das: An der Stelle, an der beraten wird, darf die Vergütung nicht mehr davon abhängen, wie viel abgeschlossen wird.
Überziehung, Debitkarten und laufende Verträge
- Aufteilung
- § 491 BGB wird vollständig ersetzt. Verbraucherdarlehensverträge teilen sich danach in Allgemein-Verbraucherdarlehensverträge und Immobiliar-Verbraucherdarlehensverträge.
- Überziehung
- Wird eine Überziehungsmöglichkeit ganz oder teilweise beendet, muss der Darlehensgeber den Darlehensnehmer mindestens 30 Tage vor dem Wirksamwerden in der vereinbarten Weise über das Ende oder die Verringerung informieren.
- Debitkarten mit Zahlungsaufschub
- Vereinbarungen über Debitkarten mit Zahlungsaufschub sind ausgenommen, wenn die Mittel binnen 40 Tagen zurückzuzahlen sind, keine Zinsen anfallen und nur geringe Entgelte für die Zahlungsdienstleistung berechnet werden.
- Laufende Verträge
- Für unbefristete Allgemein-Verbraucherdarlehensverträge, die vor dem 20. November 2026 geschlossen wurden, gelten einzelne Vorschriften weiter in ihrer bisherigen Fassung.
An die Kündigung der Überziehung knüpft ein zweiter Teil an, der in der Debatte meist fehlt: Hat der Darlehensnehmer die gekündigte Überziehungsmöglichkeit vor deren Beendigung oder Kürzung in Anspruch genommen, muss der Darlehensgeber ihm vor der Einleitung eines Zwangsvollstreckungsverfahrens anbieten, den in Anspruch genommenen Betrag im Umfang der erklärten Kündigung ohne zusätzliche Kosten zu dem für die Überziehungsmöglichkeit geltenden Sollzinssatz in zwölf gleichen Monatsraten zurückzuzahlen – es sei denn, der Darlehensnehmer entscheidet sich für eine frühere Rückzahlung.
Drei Unterscheidungen sind dabei wichtig, weil sie in Vergleichen regelmäßig verwischt werden: Es ist ein Angebot des Darlehensgebers, nicht ein Ratenplan, den der Darlehensnehmer einseitig erklären kann. Es ist vor der Zwangsvollstreckung geschuldet und nicht als Ausweg danach. Und es bezieht sich auf den Betrag im Umfang der erklärten Kündigung – also auf den tatsächlich beendeten Teil der Überziehungsmöglichkeit, nicht zwingend auf die gesamte Schuld.
Worauf Sie beim Kreditvergleich achten sollten
In dieser Reihenfolge geprüft, sortiert das die meisten Angebote schnell:
- Effektiver Jahreszins – nicht der Sollzins und nicht die beworbene Beispielrate
- Gesamtkosten über die volle Laufzeit, nicht die Monatsrate allein
- Laufzeit so kurz wie möglich, so lang wie für die Rate nötig
- Sondertilgungen kostenlos erlaubt? Wenn ja: in welcher Höhe und wie oft?
- Vorfälligkeitsentschädigung – wie hoch und unter welchen Bedingungen?
- Art der Schufa-Anfrage – Konditionsabfrage oder Abschlussanfrage?
- Widerrufsrecht – 14 Tage, und was passiert bei Widerruf?
- Gesamtbelastung – bleibt nach allen Raten genug Luft für Unerwartetes?
Erst danach die Bank. Der günstigste Zins nützt nichts, wenn die Abwicklung drei Wochen dauert und Sie in dieser Zeit eine Rechnung offen lassen müssen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und Effektivzins?
Der Sollzins ist der nominale Zinssatz auf die Restschuld und sagt nur, wie stark die Schuld wächst. Der effektive Jahreszins rechnet die weiteren preisbestimmenden Kosten ein und ist die einzige Zahl, mit der zwei Angebote vergleichbar sind.
Welcher Kreditzins gilt für mich?
Der beworbene Zins gilt für den besten Fall. Ihren Zins legt die Bank nach Prüfung Ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse und Ihrer Zahlungshistorie fest. Dieselbe Person kann bei zwei Banken unterschiedliche Angebote bekommen.
Was prüft die Schufa?
Die Schufa prüft nichts und lehnt nichts ab. Sie speichert Daten, die ihre Vertragspartner melden, und liefert eine Auskunft. Die Entscheidung trifft die Bank. Ihre gespeicherten Daten können Sie einmal im Jahr kostenlos einsehen.
Wie lang sollte die Laufzeit eines Kredits sein?
So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Eine längere Laufzeit senkt die Rate und erhöht die Gesamtkosten. Entscheidend ist, dass nach der Rate noch genug für unerwartete Ausgaben bleibt, denn Verzug ist teurer als Zinsen.
Was kostet es, einen Kredit vorzeitig abzulösen?
Bei Verbraucherdarlehen darf die Vorfälligkeitsentschädigung höchstens 1 Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrags betragen – und höchstens 0,5 Prozent, wenn bis zum vereinbarten Vertragsende weniger als zwölf Monate liegen.
Wann lohnt sich eine Umschuldung?
Wenn die Zinsersparnis über die verbleibende Laufzeit des alten Kredits größer ist als die Vorfälligkeitsentschädigung plus mögliche Kosten des neuen Vertrags. Achten Sie darauf, dass die neue Laufzeit nicht länger ist als die alte – sonst sinkt die Rate, aber die Gesamtkosten steigen.
Kann ich einen Kredit ohne Schufa bekommen?
Ja, es gibt solche Angebote. Der Anbieter kann Ihr Risiko dann nicht bewerten und bepreist es über einen höheren Zins, kürzere Laufzeiten oder kleinere Beträge. Vorkosten vor der Auszahlung sind ein Ausschlusskriterium.
Wie viele Kreditanfragen darf ich stellen?
Mehrere Anfragen bei verschiedenen Banken sind üblich. Entscheidend ist die Art der Abfrage: Eine Konditionsanfrage wirkt sich anders aus als eine Abschlussanfrage. Fragen Sie vorher nach, welche Abfrage ausgelöst wird.